Aktualisiert 17.05.2008

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Asiatischer Kehlgesang
“Khöömej”

Der asiatische Kehlgesang, der Khöömej, ist der bekannteste und verbreitetste Obertongesangsstil. Er ist rund um das Altai-Gebirge anzutreffen. Die meisten Obertonsänger finded man in Tuva (etwa 1600) und im Nord-Westen der Mongolei (etwa 600) [1]. In den Nachbarländern findet man Varianten des Khöömej.

Khöömej (Хөөмей, tuvinisch = Kehle) ist der Oberbegriff für alle tuvinischen und mongolischen Stile des Obertongesangs. Er wird übersetzt mit “Kehlgesang” (engl. “throat singing”). In der Mongolei verwendet man den gleichen Begriff, obwohl Mongolisch und Tuvinisch nicht verwandt sind. Transliterationen des kyrillischen “Хөөмей”  sind auch Chöömej, Xöömej, Höömii, Khoomii usw., die alle das gleiche meinen. In Tuva wird der Begriff Khöömej mit zwei Bedeutungen verwendet, einmal als Oberbegriff für die Gesamtheit der Kehlgesänge und zum Anderen für einen der etwa sechs Stile.

Der Begriff Kehlgesang

Die Übersetzung des Begriffs Khöömej mit Kehlgesang führt gelegentlich zu Verwechslungen, weil das Wort Kehlgesang auch für andere Singtechniken gebraucht wird, die nicht zum Obertongesang zählen. Kehlgesang bezeichnet meist eine Gesangstechnik, die durch einen verengten Kehlkopf entsteht. In manchen Kulturen wird damit Obertongesang gemacht, wie beim Khöömej, in anderen nicht. Beispielsweise werden der Joik des Samen oder der Kehlgesang der Inuit als Kehlgesang bezeichnet, zählen aber nicht zum Obertongesang, wie manchmal behauptet wird.

Unterschied von Khöömej und Obertongesang

Sven Grawunder, Phonetiker an der Martin-Luther-Universität Halle/Saale, hat in seiner Diplomarbeit 1999 umfassende Untersuchungen zu den Unterschieden von Kehl- und Obertongesang durchgeführt. Laryngoskopische und endoskopische Fotografien des Kehlkopfs während des Khöömej-Singens zeigen dabei deutlich den hauptsächlichen Unterschied zwischen westlichem Obertongesang und Kehlgesang - nämlich den verschiednen Kehlgebrauch. Das heißt, die Klangquelle im Kehlkopf wird anders verwendet, während die Obertonverstärkung im Mund- und Rachenraum sehr ähnlich funktioniert.

Bei “normalem” Singen sind die Stimmbänder frei zu sehen:


Fotos © Grawunder 1999
Normale Stellung des Kehlkopfs mit geschlossener (links) und offener Glottis.

Der westliche Obertongesang verwendet sowohl diese normale Kehlstellung als auch fließende Übergänge zur speziellen Kehlstellung des Khöömej. Bei offener Kehle klingt der Grundton klar und laut im Gesamtklang durch. Dadurch ist die Trennung von Oberton und Grundton weniger stark als beim Khöömij. Der Gesamtklang ist weicher und die Grundtonmelodie kommt beim polyphonen Obertongesang gleichwertig zur Geltung. Je stärker der Kehlkopf verengt wird (s. u.) desto deutlicher trennt sich der Oberton vom Grundton, und um so lauter tritt der Oberton gegen den Grundton hervor.

Beim Khöömej zeigt sich ein Phänomen, dass Grawunder “aryepiglottischer Sphinkter” nennt. Bezeichnet wird damit eine Verengung im Kehlkopf oberhalb der Stimmlippen, ähnich wie beim Würgereflex. Nur wird beim Würgen der Kehlkopf ganz verschlossen, während beim Khöömej eine kleine Öffnung bleibt, durch die der Klang hindurch kann. Dadurch wird der Grundton stark gedämpft, so dass er bei manchen Meistern des Sygyt kaum noch zu hören ist. Man hört praktisch nur noch seine Obertöne.

Fotos © Grawunder 1999
Verengung im Kehlkopf beim Khöömej.

Fotos © Grawunder 1999
Kehlkopf beim Würgereflex.Kehlgesänge, die kein Obertongesang sind

Die Fotos wurden freundlicher Weise von Sven Grawunder für diesen Artikel überlassen. Sie unterliegen dem Urheberrecht.

Sie erreichen Herrn Grawunder hier:
Sven Grawunder
Institut für Sprechwissenschaft und Phonetik
Advokatenweg 37
06114 Halle (Saale)
T 0049-345-5524465
e-Mail

 

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